Eine kleine Wohnung hat im Sommer einen entscheidenden Nachteil: wenig Puffer. Ein großes Apartment mit mehreren Zimmern hat immer irgendwo eine kühlere Ecke, eine Nordseite, einen Raum, den die Sonne nicht direkt trifft. In einem 30-Quadratmeter-Apartment gibt es das oft nicht. Wenn es heiß wird, wird es überall heiß – und das schnell.
Dazu kommt: In kleinen Wohnungen sind Küche, Schlafbereich und Wohnraum oft in einem Raum oder zumindest ohne viel Trennung. Was bedeutet: jede Wärmequelle – Herd, PC, Ladegeräte – trifft direkt auf den Aufenthaltsbereich. Kein Ausweichen.
Warum kleine Wohnungen schneller überhitzen
Physikalisch gesehen: Je kleiner das Luftvolumen, desto schneller erwärmt es sich durch denselben Wärmeeintrag. Eine Sonnenstrahlung, die in einem 80-Quadratmeter-Wohnzimmer kaum auffällt, heizt ein 20-Quadratmeter-Studio messbar auf.
Hinzu kommt das Verhältnis von Außenfläche zu Innenvolumen. In kleinen Wohnungen, besonders in oberen Stockwerken oder unter dem Dach, ist oft viel Außenwand- oder Deckenfläche im Verhältnis zum Raumvolumen vorhanden. Das bedeutet mehr Fläche, über die Wärme eingetragen werden kann.
Was in kleinen Wohnungen besonders gut hilft
Sonnenschutz zuerst, und konsequent. In einem kleinen Raum macht ein einziges ungeschütztes Westfenster nachmittags alles zunichte. Der erste Schritt ist immer: herausfinden, welches Fenster die meiste direkte Sonne abbekommt, und genau dort ansetzen. Verdunklungsvorhang, Sonnenschutzfolie, Außenrollo – alles ist besser als nichts.
Wärmequellen radikal reduzieren. In einer kleinen Wohnung spürt man die Abwärme von Geräten direkt. An heißen Tagen: PC aus, Fernseher aus, Herd aus, alles aus, was nicht unbedingt laufen muss. Kochen fällt raus oder wird auf den Abend verlegt. Was tagsüber an Elektronik läuft, heizt den einzigen Raum auf, in dem man sich aufhält.
Frühes Lüften als absolute Priorität. In einer kleinen Wohnung ist die Luftmasse, die man morgens austauschen kann, begrenzt – aber der Effekt ist trotzdem real. 20 Minuten Querlüften vor 8 Uhr macht den Unterschied für den ganzen Tag.
Den Ventilator richtig einsetzen. In einem kleinen Raum steht man nie weit vom Ventilator entfernt – das ist ein Vorteil. Den Ventilator direkt auf sich richten, nicht irgendwo in die Ecke stellen. In kleinen Wohnungen ohne Querlüftungsmöglichkeit kann es abends sinnvoll sein, den Ventilator ans Fenster zu stellen und Luft von draußen reinzuziehen – sofern es dann kühler ist als innen.
Was in kleinen Wohnungen nicht funktioniert
Ein Aircooler ohne Abluftschlauch in einem kleinen, schlecht belüfteten Raum erhöht die Luftfeuchtigkeit schnell auf ein unangenehmes Niveau. Der Kühleffekt verpufft, die Luft wird schwüler. In einem kleinen Studio ist das besonders ausgeprägt.
Ein Monoblock-Klimagerät mit Abluftschlauch braucht Platz und eine Möglichkeit, den Schlauch hinauszuführen. In manchen kleinen Wohnungen ist das machbar – aber der Schlauch muss wirklich dicht abgedichtet sein, sonst strömt warme Außenluft nach und der Effekt wird geringer.
Mehrere Ventilatoren gleichzeitig in einem kleinen Raum: einer reicht meistens. Zwei Ventilatoren in einem 20-Quadratmeter-Zimmer erzeugen hauptsächlich Lärm.
Schlafbereich in kleinen Wohnungen
Wer in einem Studio schläft und arbeitet, hat keine Trennung zwischen dem Raum, der tagsüber aufgeheizt wurde, und dem Raum, in dem man nachts schläft. Das ist der größte Nachteil kleiner Wohnungen im Sommer.
Was hilft: Das Bett nach Möglichkeit möglichst weit vom Fenster entfernt aufstellen, nicht in direktem Sonnenlicht. Leichte Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen. Und vor allem: abends konsequent lüften, sobald die Außenluft kühler wird – auch wenn man damit bis 21 oder 22 Uhr warten muss.
Für detailliertere Maßnahmen speziell zum Schlafen bei Hitze lohnt sich der Artikel über Schlafen bei 30 Grad. Und wer die grundsätzliche Strategie für den ganzen Sommer sucht, findet sie im Artikel über das dauerhafte Kühlhalten der Wohnung – die Prinzipien gelten auch für kleine Wohnungen, nur mit weniger Spielraum für Fehler.
